Tuesday, December 16, 2014

Brüssel will Poroschenko nicht empfangen

Die EU und die Ukraine streiten über die richtige Russland-Strategie. Die ukrainische Regierung will härtere Sanktionen. Jetzt will Brüssel Präsident Poroschenko derzeit noch nicht einmal empfangen.

Unmittelbar vor dem Treffen der EU-Außenminister und dem Besuch von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Montag in Brüssel nehmen die Spannungen zwischen der Ukraine und der Europäischen Union über den richtigen Umgang mit Russland zu.
Mitte dieser Woche will die EU das bereits bestehende Investitionsverbot für die von Russland annektierte Krim ausweiten und ein "umfassendes Exportverbot" für Waren beschließen, wodurch vor allem die weitere Exploration von Öl, Gas und Mineralien verhindert werden soll.
Der Regierung in Kiew reicht das nicht. Sie hält die Beschlüsse für eine "symbolische Aktion". Es müssten "härtere Sanktionen" gegen Russland verhängt werden, darunter "ein Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift". "Die EU hat keine Vision über den Umgang mit Russland, es fehlt eine Strategie. Das ist ein großes Problem", sagte der Botschafter der Ukraine bei der EU, Konstantin Jelissejew.

Die EU will Poroschenko nicht empfangen

Damit nicht genug. Der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko will am Donnerstag dieser Woche nach Brüssel reisen, um die dort versammelten Staats- und Regierungschefs über die neuesten Entwicklungen in der Ukraine zu informieren. Aber die EU will Poroschenko nicht empfangen. Es gebe keinen Anlass für ein solches Treffen. "Herr Poroschenko kann sich über eine mangelnde Aufmerksamkeit der EU nicht beschweren. Jetzt passt ein Besuch nicht", sagte der Botschafter eines wichtigen EU-Landes.

Hintergrund sind offenbar Befürchtungen, ein Treffen mit Poroschenko könne dem Dialog mit Russlands Präsident Wladimir Putin über eine Entschärfung der Ukraine-Krise und der Umsetzung einer nachhaltigen Waffenruhe schaden und möglicherweise auch die internen Spannungen innerhalb der Union über den richtigen Umgang mit Moskau verschärfen.
Hinter den Kulissen gibt es gegenseitige Vorwürfe. EU-Diplomaten verweisen darauf, dass Poroschenko bereits im Juni und August von den EU-Spitzen in Brüssel empfangen worden wäre. Die Regierung in Kiew wiederum führt an, dass Putin beim G-20-Gipfel in Brisbane Mitte November ausführlich Gelegenheit erhalten habe, seine Sicht der Dinge vor den Spitzen der führenden Industrienationen darzulegen.

Kiew fürchtet eine Aufweichung der europäischen Linie

Kiew stört zudem, dass die Europäer gegenüber Russland verbal abrüsten. Die Annektion der Krim und die Infiltration der Ostukraine durch reguläre russische Truppen mit schwerem Gerät würden vom Westen nicht mehr ausreichend als "Akt der Aggression" dargestellt, hieß es.
Dennoch arbeiten beide Seiten weiter eng zusammen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini will Jazenjuk am Montagabend klarmachen, dass die EU bereit ist, noch mehr Geld in die Ukraine zu pumpen. Voraussetzung sei allerdings, dass Kiew politische und wirtschaftliche Reformen energischer als bisher vorantreibt.
Die Außenminister wiederum wollen auch über humanitäre Hilfen beraten. Dabei geht es insbesondere um die heikle Frage, inwieweit die Europäer wegen des kalten Winters Notunterkünfte in der Ostukraine und den angrenzenden Gebieten unterstützen wollen.

Die Ukraine braucht noch einmal 15 Milliarden Dollar

Derweil wird die wirtschaftliche Situation der Ukraine immer prekärer. Das Land befindet sich in einer tiefen Rezession, die Zentralbankreserven sind beinahe aufgebraucht, die Währung verfällt, und es droht ein Staatsbankrott. Die Regierung hat ein Sparprogramm angekündigt, das zu weiteren sozialen Spannungen führen dürfte: Es drohen weitere Massenentlassungen im öffentlichen Dienst und höhere Gaspreise, weil die staatliche Unterstützung bei der Abgabe des teuren Importgases aus Russland reduziert wird.
Die Ukraine braucht noch einmal kurzfristig rund 15 Milliarden Dollar frisches Geld. Dabei hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits einen Kredit von 17 Milliarden Dollar bis Anfang 2016 zugesagt, wovon 4,6 Milliarden Dollar bereits ausgezahlt worden sind. Auch die Europäer unterstützen die Ukraine mit Milliardenhilfen. Aber das Geld reicht bei Weitem nicht aus. Ministerpräsident Jazenjuk fordert deshalb eine internationale Geberkonferenz für die Ukraine.
Aber was passiert mit den Milliarden? Versickern sie im Sumpf der Korruption? Werden sie jemals auch nur annähernd zurückgezahlt? Schon das bestehende IWF-Programm hätte eigentlich so niemals gewährt werden dürfen. Die sogenannte Schuldentragfähigkeit ist im Fall der Ukraine nicht gegeben, es sind mehr Mittel gewährt worden, als die üblichen IWF-Quoten vorsehen, und eine Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen innerhalb von zwölf Monaten ist ebenfalls nicht absehbar. Dennoch hat die internationale Staatengemeinschaft beide Augen zugedrückt – und sie wird dies auch weiterhin tun. Allen ist klar: Die Ukraine wird für den Westen sehr teuer werden


No comments:

Post a Comment